Burn-Out bei Müttern

Was ist eigentlich ein Burn-Out, wodurch erkennt man einen Burn-Out und was ist der Unterschied zu Stress? Warum ist das Thema Burn-Out bei Müttern so wenig präsent und welche Ursachen und Risiken hat die Extrem- und Dauerbelastung für Mütter*? 

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2014 schrieb das Müttergenesungswerk in seiner Mitteilung zur Jahrespressekonferenz „Muttersein ist ein Gesundheitsrisiko“. 

Die Zahl der Mütter, die jährlich eine Mutter-Kind-Kur beantragen steigt stetig und die Zahl der behandlungsbedürftigen Mütter nimmt rasant zu.Die häufigsten Indikationen der erwachsenen Kurbedürftigen in 2019 fallen in den Bereich der psychischen Gesundheitsstörungen. Etwa 80 Prozent der Mütter und 78 Prozent der Väter haben sogenannte F-Indikationen; das sind u.a. Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-out“, so MüttergenesungswerkStändig in Beziehung sein mit einem oder mehreren kleinen Menschen mit Dauereinsatz und wenig Pausen führen zu einem hohen Puls und damit zur Gefährdung der eignen Gesundheit.** 

Burn-Out wird auch Burn-Out Syndrom genannt und meint eine körperliche und emotionale Erschöpfung. Die Diagnose Burn-Out Syndrom ist bei Experten umstritten, da sie so unterschiedlich Ausgeprägt sein kann. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD 10 bzw. bald 11) fällt sie unter die Rubrik „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Soweit die Theorie. 

Ein Burn-Out Syndrom kann nach andauernder und intensiver Belastung entstehen, wenn diese zur Überforderung führt und erste Symptome entstehen. Die Belastungen können im Beruf oder im privaten Bereich angesiedelt sein. Einen Burn-Out kann quasi jeder bekommen und stellt eine ernstzunehmende Krankheit dar. Betroffene sollten sich in jedem Fall professionelle Hilfe aufsuchen, sonst kann es zu schweren Folgeerkrankungen wie Panikattacken, Depressionen, Schlafstörungen etc. kommen.

Die Unterschiede zwischen Stress und Burn-Out sind meist schwer zu erkennen

Der Unterschied zwischen dem Gefühl von „gestresst sein“ und einem „Burn-Out Syndrom“ ist, dass der Burn-Out das Ergebnis von zu viel Stress sein kann – ein Burn-Out aber nicht dasselbe ist wie zu viel Stress. Bei einem hohen Stresslevel kann man sich noch vorstellen, dass man sich besser fühlt, wenn man alles im Griff hat. Zu viel Stress ist also ein eher etwas temporäres, ein eher vorübergehendes Gefühl. Wir sehen quasi das Licht am Ende des Tunnels. Sobald die stressige Phase vorbei ist, geht es schon besser. Bei einem Burn-Out Syndrom fühlt es sich wiederum leer an, man ist geistig unmotiviert und sieht keinen Ausblick auf ein Ende, fühlt sich hilflos und hat wenig Hoffnung auf positive Veränderung. Die Unterscheidung zwischen Dauerstress und einem Burn-Out ist demnach nicht leicht zu erkennen, da die Symptome ähnlich sind und die Zeit und Dauer einen großen Einfluss hat.

 

Mütter mit (kleinen) Kindern sind häufig per se im Dauerstress, da sie häufig ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen zugunsten der Bedürfnisse der (kleinen) Kinder. Viele gehen auch einer Berufstätigkeit nach und müssen dadurch nochmal mehr und wiederum anderen Erwartungen gerecht werden. Das Gefühl von „Zerrissenheit“, „schlechtem Gewissen“ und dem Eindruck keinem gerecht zu werden ist stetiger Begleiter. Stress ist allgegenwärtig und wird gesellschaftlich im Familienkontext oft nicht in Frage gestellt, sondern als Normalzustand hingenommen. 

Wie gefährdet wir sind, entscheidet unsere individuelle Reaktion auf innere und äußere Belastungen

Wie wir allgemein auf Belastungen reagieren – kommt auf unsere jeweilige Persönlichkeit an und darauf, auf wie viele und welche positive Ressourcen wir zurückgreifen können. Die Ursachen, warum es zu einem Burn-Out kommt, sind vielschichtig und haben häufig sowohl mit inneren als auch mit äußeren Faktoren zu tun.

Im Außen kann es zum Beispiel der beruflicher Kontext sein, der mit belastendenden Faktoren einhergeht – wie zum Beispiel eine hohe Arbeitslast, wenig entgegengebrachte Wertschätzung, unklare oder zu hohe Zielvorgaben, mangelnde Arbeitsorganisation / Strukturen / Rahmenbedingungen, nicht klar definiert Grenzen, schlechte Teamarbeit, häufige Konflikte, Kompetenzgerangel, zu dynamische/komplexe Aufgaben, ein gefühlt zu geringer Verdienst für die eingebrachte Leistung, drohender Arbeitsplatzverlust und viele mehr.

Mütter struggeln häufig mit ähnlichen Faktoren: die hohe Arbeitslast durch Carearbeit und Berufstätigkeit (fehlende Vereinbarkeit) führt zu extremen Zeitdruck und funktioniert nur mit maximaler Effizienz und einer steten Selbstoptimierung. Diese führt nicht selten zu Lasten von Ruhepausen und Erholung. Dazu kommt häufig wenig Unterstützung, ständige organisatorische und strukturelle Umstellungen und Herausforderungen. Daneben die Schwierigkeiten in der Beziehung zu den Kindern und finanzieller Druck. Schlussendlich erfahren die meisten Mütter dafür kaum (direkte) Wertschätzung in Form von Anerkennung und / oder Geld.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern unsere Gedanken und Meinungen darüber. Epiktet

Die inneren Belastungen, die einen Burn-Out Syndrom begünstigen sind sehr individuell und je nach Erfahrungen und eigener Prägung unterschiedlich: von hinderlichen Glaubenssätzen und Mustern die unsere inneren Stimmen leiten bis hin zu erfahrenen dysfunktionalen Beziehungen und Traumata.

Dazu sind wir etlichen kollektiven und gesellschaftlich geprägten Überzeugungen und hohen zum Teil unmöglich zu erreichenden Ansprüchen und Idealen über das Mutterbild konfrontiert. Stichwort: der Mythos der sich aufopfernden immer glücklichen Mutter.

Wie viele andere innere Bilder, die unser Denken und Handeln lenken, ist auch das Mutterbild in uns durch synaptische Verschaltungen entstanden. Die vielen Informationen, die wir im Lauf unseres Lebens sammeln, setzen sich also in unserem Gehirn fest: die Geschichten, die wir über Mutterschaft hören, die Märchen der Kindheit, das Verhalten der eigenen Mutter, die Eigenschaften von Müttern von Freunden und Freundinnen, die wir beobachten oder auch Werbung aus der Kindheit – Infos über Produkte aber auch mitgelieferte Werte und Rollenvorstellungen.(…) Gelernte, übernommene und veraltete Glaubenssätze, Handlungen oder Reaktionen in bestimmten Situationen erschweren Mutterschaft bzw. Elternschaft heute zusätzlich.“ so Susanne Mireau in Mutter sein.

Hinzu kommt, dass wir alle spüren, wie sich um uns herum alles schneller denn je verändert und die Welt unübersichtlicher wird (Globalisierung, Digitalisierung, Corona, Klimakrise). Wenn unsere Bedürfnisse nach Sicherheit und Orientierung bedroht werden, reagieren wir mit Aktionismus, Widerstand und Stress. 

Burn-Out Symptome sind vielfältig und schwer als solche zu identifizieren

Die Symptome eines Burn-Outs Syndroms sind individuell und können
sehr vielfältig sein, sich mit der Zeit auch ändern. Daher ist es schwer einen
Burn-Out wahrzunehmen und zu diagnostizieren, da er oft scheinbar unbemerkt kommt
und in Phasen verläuft. Es gibt mehrere Modelle der Phasenbeschreibung,
Freudenberger beschreibt sie grob wie folgt:

Die Phasen können unterschiedlich lange dauern, von ein paar Jahren bis hin zu Jahrzehnten.

Mögliche Symptome eines Burn-Out Syndroms können Schlafprobleme sein, Muskelverspannungen, ein Engegefühle in der Brust, Schwindel, Magen-Darm Probleme, Tinnitus, Desillusionierung, grundloses Weinen, Verlust von Empathie, Ruhelosigkeit, Zynismus, Verlust von Idealismus, Probleme in der Partnerschaft/Familie uvm.

Die Belastungen für Mütter in der heutigen Gesellschaft sind enorm, werden vielfach stigmatisiert und kaum gesehen

Burn-out bei Müttern ist keine seltene Diagnose aber noch immer ein großes Tabuthema. Im Gegensatz zum ausgebrannten Manager, der zuvor Spitzenprojekte realisiert und jede Menge geschafft hat bis er dann schließlich ausbrannte – wird das Thema Burn-Out bei Müttern oft bagatellisiert, kleingeredet oder verleugnet „Eltern sein ist nun mal anstrengend“ „Das ist doch nur Stress“, „Entspann dich doch mal etwas“. Häufig schwingt die implizite Erwartung mit, dass eine Mutter das doch schaffen muss und die hohe Belastung, die durch Kindererziehung und Haushaltstätigkeiten entsteht einfach abgetan wird – (#mentalload).

Alarmsignale des Burn-Out Syndroms frühzeitig erkennen und entgegenwirken

Wer rechtzeitig spürt, dass Stress zum gesundheitsgefährdenden Dauergast wird, kann gegensteuern. Um die Alarmsignale eines Burn-Out Syndroms frühzeitig zu erkennen und diesen entgegenzuwirken kann ein gutes Stressmanagement helfen. Ansätze dafür sind beispielsweise die drei Säulen der Stressbewältigung: 

Oft kann man an den äußeren Lebensbedingungen kurzfristig nicht viel ändern. Aber an den inneren Einstellungen kann man arbeiten und sie so verändern, dass es einem besser geht. – im mentalen Stressmanagment geht es darum, die eigenen Überzeugungen und Muster aufspüren und in förderlichere Umwandeln, das eigenen Anspruchsniveau und den selbst auferlegten Perfektionismus zu hinterfragen, die eigenen Gefühle wieder als Signale zu verstehen, eigene Bewertungen zu überprüfen und Gedanken zu Entkatastrophisieren.

 

Die Hintergründe von Spannung und Entspannung kennenlernen – Verspannungen lösen und die eigene Körperwahrnehmung schulen. Entspannung führt zu Ruhe und damit öffnen sich die Türen zur Gelassenheit. Verweilen in Gelassenheit gibt eine andere Verbindung zur Welt und zu uns selbst. Im regenerativen Stressmanagement lernen wir aktive und passive Entspannungsformen und Energiequellen kennen und kultivieren.

 

Beim instrumentellen Stressmanagement wird auf die strukturellen, systemischen Abläufe und Themen geschaut. Ziel dabei ist es Stressoren zu erkennen und zu verändern z.B. im eigenen Zeitmanagement oder indem man Arbeits- oder Tagesabläufe hinterfragt, Routinen etabliert etc.

„Setze dich nicht selbst in Brand, um andere zu wärmen.“ Penny Reid

Es ist okay, sich selbst als erstes zu retten.

Wichtig dabei – Stressprävention ist keine Pille, die wir schlucken und dann ist es besser. Stressprävention bedeutet Veränderung, heißt Loslassen von Gewohntem, vielleicht auch von Bequemen und Vertrautem. Aber es lohnt sich. Insbesondere für Mütter – die auch immer Vorbild sind und die vorhandene Energie teilen müssen und eben nicht die Notbremse in Form einer Kündigung ziehen können.

Wichtig ist mir, dass Burnout nicht einfach als Erschöpfung abgetan wird. Die Symptome sollten in jedem Fall von einem Arzt sorgfältig abgeklärt und behandelt werden.

Wenn du das Gefühl hast, eventuell an einem Burnout zu leiden, sprich im ersten Schritt mit deinem Hausarzt.

*Hier sind selbstverständlich auch Väter mit gemeint

** Buch: Die Kunst keine perfekte Mutter zu sein, Nathalie Klüver, 

 

 

 

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